Menschenwürde gestern - heute - morgen

Gedenken der NS-Euthanasieopfer

Caritas – solidarisch seit 100 Jahren: unter diesem Motto standen die Planungen für eine Reihe von Events und Aktivitäten anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung der Caritas der Diözese St.Pölten. In Zusammenarbeit mit den SchülerInnen sowie den LeherInnen des Bildungszentrums für Gesundheits- und Pflegeberufe hat die Caritas der Diözese St. Pölten dies zum Anlass genommen, einen schmerzenden Blick in die Geschichte von Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen zu werfen. Einen Blick auf die Geschichte jener Menschen, die ermordet und vernichtet wurden, weil sie krank oder behindert, alt oder schwach, arm oder aus sozial benachteiligten Familien gekommen sind. Dieser Blick in die Geschichte ist wichtig, um nicht zu vergessen und um nicht wieder den gleichen gesellschaftlichen Fehler in ähnlicher oder abgewandelter Ausprägung zu machen. 

Die Caritas betrieb zwischen 1938 und 1945 keine Behinderten-, Alten- oder Pflegeheime. Daher gab es keine eigene Schuldverstrickung in die damaligen Vorgänge. Aus heutigem Blickwinkel ist die Caritas dennoch betroffen. Die Menschengruppen, die den Tötungsprogrammen des Nationalsozialismus zum Opfer fielen, sind heute Klienten und Kundinnen der Caritas: körperlich oder psychisch Beeinträchtigte sowie pflegebedürftige und demenzkranke alte Menschen. Auf die Verbrechen an diesen Menschen hinzuschauen und der Opfer zu gedenken, ist ein Akt der Solidarität. Er macht zugleich bewusst, dass auch heute Menschen am Rand der Gesellschaft stehen und besonders verwundbar sind.

Der damaligen Opfer zu gedenken, thematisiert auch die heutige Sorge um die Würde aller Menschen. Caritas ist in ihrer konkreten Arbeit mit Kunden und Klientinnen sowie in ihrem anwaltschaftlichen gesellschaftspolitischen Engagement der Menschenwürde verpflichtet – gestern, heute, morgen. 

Als Caritas wollen wir die Angst überwinden und das Vertrauen leben. Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch unermesslich wertvoll ist, und wollen an einer Welt mitbauen, in der alle Menschen gut leben können. Eine Grundlage dafür ist der Glaube an einen Gott, der sich mit den Schwachen und Ausgegrenzten identifiziert. Dem verpflichtet, ist Caritas solidarisch, seit 100 Jahren. 

Die entstandenen Videos, Bilder, Plakate, Interviews und Texte dieses Projektes dokumentieren die Auseinandersetzung mit dem Thema und bieten eine Anregung für eine weitere Vertiefung.