Caritas St. Pölten Menschenkette vor NÖ Landhaus

Caritas St. Pölten Menschenkette vor NÖ Landhaus

Land NÖ und Caritas St. Pölten: 45 Jahre Engagement für Menschen mit psychischen Erkrankungen

05.10.17 / 11:36

Im Rahmen eines gemeinsamen Pressegespräches zur Fachtagung „Wege der Inklusion – ausgewählte Erfolgsprojekte“ haben heute in St. Pölten Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz, Caritas-St. Pölten Direktor Hannes Ziselsberger und Susanne Karner, Bereichsleiterin PsychoSoziale Einrichtungen der Caritas St. Pölten, über 45 Jahre Zusammenarbeit zwischen Land Niederösterreich und Caritas St. Pölten im Rahmen der Psychosozialen Dienste informiert.

Bei der Diözesansynode 1972 hat die Kath. Kirche der Diözese St. Pölten der Caritas den Auftrag gegeben, sich verstärkt um Menschen mit Beeinträchtigungen und um Suchtkranke zu sorgen.
Ein Caritas Sozialarbeiter hatte sich damals in enger Kooperation mit dem Landeskrankenhaus Mauer um Menschen mit psychischen Erkrankungen gekümmert. Heute arbeiten in der Caritas St. Pölten 327 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hauptberuflich im Bereich „PsychoSoziale Einrichtungen“ unter der Leitung von Susanne Karner.

„Der PsychoSoziale Dienst der Caritas St. Pölten feiert heuer das 45-Jahr-Jubiläum“, sagt Caritasdirektor Hannes Ziselsberger. „Und den mobilen Dienst der Wohnassistenz für Menschen mit psychischen Erkrankungen haben wir heuer am 1. Jänner gestartet“, spannt Direktor Ziselsberger den Bogen der Arbeitsfelder von 1972 bis 2017.

„Niederösterreich hat traditionell ein umfangreiches und qualitativ hochwertiges Betreuungsnetz im Sozialbereich, auch dank wertvoller Partner wie der Caritas. Politik hat die Aufgabe passende Rahmenbedingungen vorzugeben, unter denen vor Ort Organisationen und Einrichtungen die notwendige Unterstützung leisten können. Mit den verschiedenen Angeboten des Psychosozialen Dienstes werden in Niederösterreich psychisch schwer erkrankte volljährige Personen mit komplexem Unterstützungsbedarf in ihrem sozialen Umfeld integriert. Durch diese Begleitung wollen wir stationäre Unterbringung so weit wie möglich vermeiden. Die Betreuung durch den Psychosozialen Dienst, ausgehend von insgesamt 24 Beratungsstellen im ganzen Bundesland, erfolgt kostenlos. Wir unterstützen die Träger dabei von Seiten des Landes Niederösterreich mit einer finanziellen Unterstützung von rund 15 Millionen Euro“, so Landesrätin Barbara Schwarz.

 

Angebote der Caritas einst und heute

Vor 25 Jahren war ein stationäres Wohnhaus für Menschen psychischen Erkrankungen ein Thema. Damals hat die Caritas im Schloss Schiltern 55 Wohnplätze geschaffen. Heuer im Sommer wurden die BewohnerInnen in neue Unterkünfte in Paudorf im Bezirk Krems und in die Stadt Zwettl übersiedelt. Dort hat die Caritas mit Hilfe des Landes NÖ zwei Wohnhäuser für insgesamt 64 Menschen mit psychischen Erkrankungen geschaffen. An den beiden Standorten sind auch zwei Tagesstätten für Arbeit und Beschäftigung für je 30 Betroffene angeschlossen.

Vor 20 Jahren hat die Caritas in der Stadt St. Pölten die Einrichtung BBO (Beschäftigung und Berufsorientierung) gegründet. Wichtige Partner sind hier das Land NÖ und das Arbeitsmarktservice NÖ. Menschen mit psychischen Erkrankungen finden hier vorübergehend Arbeit in den Bereichen Copy-Service, Fertigung, Bügelservice und carla-secondhand Waren. „carla“ steht für Caritas Laden und das Caritas Projekt widmet sich in erster Linie dem sinnvollen Einsatz und der Wiederverwertung von Sachspenden.

Für junge Menschen, für die der Überstieg von der Schule in die Berufswelt schwierig ist – z.B. wegen einer körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigung, beziehungsweise wegen einer psychischen Erkrankung, hat die Caritas vor 10 Jahren den Fachbereich „Berufliche Integration“ geschaffen. Arbeitsassistenten, Job-Coaches, Berufsausbildungsassistenten und Jugendcoaches arbeiten in diesem Caritas Arbeitsfeld auch eng mit dem Sozialministeriums Service zusammen.

Der PsychoSoziale Dienst der Caritas hat im ersten Halbjahr dieses Jahres 2.432 Menschen mit psychischen Erkrankungen im Gebiet der Diözese St. Pölten betreut und begleitet. 665 Personen haben in diesem Zeitraum auch den Club Aktiv der Caritas genutzt. Das ist ein niederschwelliges Freizeit- und Betreuungsangebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen, vergleichbar mit einem offenen Jugendzentrum. Der Club Aktiv der Caritas hat während der Arbeitswoche mindestens 25 Stunden geöffnet. In jeder Bezirkshauptstadt, sowie in den Statutarstädten und in St. Valentin betreibt die Caritas einen Club Aktiv. Die Caritas St. Pölten führt aktuell 15 psychosoziale Wohngruppen und hat in der mobilen Wohnassistenz heuer bereits 90 Menschen mit psychischen Erkrankungen in 2744 Stunden betreut, meist in der eigenen Wohnung oder in Wohngemeinschaften.

„Diese Fülle an Angeboten ist nötig, um für betroffene Menschen mit psychischen Erkrankungen ein gutes und flächendeckendes Angebot schaffen zu können“, sagt Caritasdirektor Hannes Ziselsberger. Auch inhaltlich hat sich dieser Bereich in den vergangenen 45 Jahren sehr stark entwickelt. Von einer reinen Versorgungseinrichtung ausgehend sind heute die Teilhabe an der Gesellschaft, die Integration am Arbeitsplatz und die Inklusion in möglichst vielen Lebensbereichen die konkreten Ziele der Begleitung, betonen Caritasdirektor Hannes Ziselsberger und Susanne Karner, Leiterin der psychosozialen Einrichtungen der Caritas der Diözese St. Pölten, übereinstimmend.

Dazu braucht es einen Dialog mit den betroffenen Menschen, der in vielen Bereichen ein Trialog wurde, in dem auch Angehörige ihren Platz und Stimme haben. Betroffene, Angehörige und Professionalisten (SozialarbeiterInnen, Fachärzte und Fachärztinnen für Psychiatrie) bilden das Dreieck, das eine gute Grundlage für einen Heilungs- und Betreuungserfolg bildet.