Caritas St. Pölten Menschenkette vor NÖ Landhaus

Caritas St. Pölten Menschenkette vor NÖ Landhaus

Integration von Jugendlichen und Erwachsenen mit Beeinträchtigung am Arbeitsmarkt – wie kann das gelingen?

02.04.19 / 13:24

Thomas Pop (Arbeitsmarktservice Niederösterreich), Caritasdirektor Hannes Ziselsberger, Caritas Günther Widy (Sozialministeriumsservice Niederösterreich), Martin Wancata (Sozialabteilung Land Niederösterreich) und Rudolf Dörr-Kaltenberger, Leiter Caritas Berufliche Integration. Fotocredit: Elias Kaltenberger

 

Unter dem Motto „Teilhabe > Ausgrenzung“ macht die Berufliche Integration der Caritas St. Pölten im Aktionsmonat April auf die nicht immer leichte Situation von Menschen mit Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt zum Schwerpunktthema.
 

Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden gemeinsam mit Günther Widy vom Sozialministeriumsservice, Thomas Pop vom Arbeitsmarktservice Niederösterreich und Martin Wancata, von der Sozialabteilung des Landes Niederösterreich Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche aufgezeigt und Unterstützungsangebote für Betroffene und deren Angehörige vorgestellt.  

„Arbeit und Beschäftigung sind ein wichtiger Aspekt, wenn es um gesellschaftliche Teilhabe geht. Darum ist es mir ein großes Anliegen, jenen Menschen, die in unserer Gesellschaft oft benachteiligt werden, Unterstützung, Hilfestellung, Arbeits- bzw. Beschäftigungsplätze anbieten zu können“, betonte Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten bietet die Caritas St. Pölten professionelle Beratung, Begleitung und Beschäftigung für Jugendliche und Erwachsene mit gesundheitlichen Einschränkungen bzw. Behinderung. Es werden außerdem Unternehmen in Fragen der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen beraten und bei der beruflichen Integration unterstützt. „Durch die individuelle Begleitung bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche bzw. am Arbeitsplatz wird unter Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse der Betroffenen und des Betriebes eine möglichst optimale Integration erreicht. Dies ist ein hoher Anspruch, der jedoch in den meisten Fällen erfüllt wird“, so Rudolf Dörr-Kaltenberger, Fachbereichsleiter Berufliche Integration der Caritas St. Pölten.

„Das Netzwerk der Beruflichen Assistenz, kurz NEBA, bietet zahlreiche kostenlose Unterstützungsleistungen. Sie sollen für Menschen mit Behinderung und ausgrenzungsgefährdete Jugendliche den Zugang zu Ausbildung und bezahlter Arbeit am regulären Arbeitsmarkt sicherstellen und erhalten“, betont Günther Widy, Abteilungsleiter des Sozialministeriumsservice Landesstelle Niederösterreich. „Die NEBA-Dienstleistungen Arbeitsassistenz und Jobcoaching sind als Teil arbeitsmarktpolitischer Strukturen nicht mehr wegzudenken und unterstützen die Menschen und Unternehmen gleichermaßen bei der (Re-)Integration in den wie auch beim Verbleib im Arbeitsmarkt“, so Widy.

Neuer Caritas Jobpool für Menschen mit Behinderung

Mit diesem neuen Angebot der beruflichen Integration möchte die Caritas gemeinsam mit dem AMS Niederösterreich und dem Sozialministeriums Service (SMS) einen weiteren Beitrag zur Integration von Menschen mit Behinderung bzw. psychischen Erkrankungen auf dem Arbeitsmarkt leisten. Konkret geht es darum, dass diese Personen im Rahmen einer gemeinnützigen Arbeitskräfteüberlassung, für einen bestimmten Zeitraum und im Ausmaß von einigen Stunden, auch in einem Unternehmen tätig sein können. „Mit diesem Caritas Jobpool helfen wir Menschen mit Behinderung bzw. psychischen Erkrankungen einen ersten Schritt in den regulären Arbeitsmarkt zu setzen. Gleichzeitig bieten wir Unternehmen eine attraktive Möglichkeit beeinträchtigte Menschen in ihren Betrieben zu integrieren und somit auch eine oft spürbare Hemmschwelle abzubauen“, so Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger über dieses neue Angebot. 

„Ende Februar 2019 waren beim AMS St. Pölten 441 Menschen mit Beeinträchtigung vorgemerkt. Von Arbeitslosigkeit sind Männer (256) wesentlich stärker betroffen als Frauen (185)“, betont Thomas Pop, Geschäftsstellenleiter des Arbeitsmarktservice St. Pölten. „Im Jänner und Februar haben 24 behinderte Personen den Wiedereinstieg erfolgreich ins Berufsleben geschafft. 

„Damit die Arbeitsmarktintegration für alle Beteiligten zufriedenstellend verlaufen kann, bedarf es ein gut abgestimmtes und gemeinsames Vorgehen aller Vertragspartner“, ist auch Martin Wancata Leiter der Sozialabteilung des Landes Niederösterreich dankbar für die Arbeit der Caritas in den Beschäftigungsprojekten.


Caritas und Arbeitslosenfonds der Diözese St. Pölten finanzieren 20 Heimhilfe-Ausbildungsplätze 

Diese Maßnahme richtet sich an arbeitssuchende Menschen, die im Bereich der mobilen Hauskrankenpflege der Caritas arbeiten möchten. Die Ausbildung zur Heimhilfe dauert drei Monate und kostet rund 1.800 Euro. Diese Ausbildungen werden zu zwei Drittel von der Caritas der Diözese St. Pölten und zu einem Drittel aus dem Arbeitslosenfonds der Diözese St. Pölten finanziert. Eine anschließende Beschäftigung bei der Caritas wird erwartet und angeboten. Das AMS Niederösterreich leistet für die Teilnehmerinnen des Programms einen Beitrag zur Finanzierung des Lebensunterhalts. „Caritas und Diözese nehmen hier ihre Verantwortung für Menschen wahr, die arbeitssuchend sind und im Sozialbereich tätig werden wollen.“, betont Hannes Ziselsberger. 

In Summe werden von der der Caritas St. Pölten jährlich etwa 2.350 Personen bei der Arbeits-/Ausbildungssuche bzw. am Arbeits-/Ausbildungsplatz begleitet.
Im Rahmen des Aktionsmonats wird mit zahlreichen Veranstaltungen wie Fotoausstellungen, Workshops oder Infoständen auf die Angebote der Beruflichen Integration der Caritas aufmerksam gemacht.


Folgende Aktionen finden im Aktionsmonat April statt:

1. April 2019, 10.00 – 15.00 Uhr | Gmünd

Fotoausstellung und Infos im Sole Felsenbad

8. und 9. April 2019, 10.00 – 15.00 Uhr | Waidhofen/Th.

Fotoausstellung und Infos im Einkaufszentrum Thayapark

11. April 2019 | Ottenschlag

Workshop in der Neuen Mittelschule Ottenschlag im Rahmen des Unterrichts

12. April 2019 | Zwettl

Fotoausstellung und Workshop in der Priv. NMS Zwettl im Rahmen des Unterrichts

12. April 2019, 9.00 – 13.30 Uhr | Stadtpark Krems

Infos und Action im Park

18. April 2019, 9.00 – 19.00 Uhr | St. Pölten

Infostand im Traisenpark

25. April 2019, 9.00 – 12.30 Uhr | Amstetten

Infostand im CityCenter Amstetten

25. und 26. April 2019, 10.00 – 15.00 Uhr | Eggenburg

Fotoausstellung und Infos im Psychosomatischen Zentrum Waldviertel

29. April 2019 | Horn

Fotoausstellung und Infos in der Allg. Sonderschule Horn im Rahmen des Unterrichts

 

Die Angebote der Beruflichen Integration der Caritas St. Pölten 

Die Arbeitsassistenz berät und begleitet Betroffene bei der Suche neuer Arbeitsplätze genauso, wie bei der Sicherung gefährdeter Dienstverhältnisse. Sowohl der Ablauf als auch die Ziele orientieren sich dabei an den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten. Die Ansprechpartner der Arbeitsassistenz sind mit ihren Büros in allen Bezirkshauptstädten der Diözese St. Pölten präsent. Darüber hinaus erhalten Unternehmen bei organisatorischen Fragestellungen und Fördermöglichkeiten auch vor Ort Unterstützung. 

Jobcoaching: Bei erhöhtem Unterstützungsbedarf im betrieblichen Umfeld unterstützen die Jobcoaches sowohl die MitarbeiterInnen als auch die Betriebe. Die Unterstützung reicht von der Einschulungs- bzw. Einarbeitungsphase bis hin zur Krisenintervention und bei drohender Kündigung. 

Jugendcoaching: Die MitarbeiterInnen im Jugendcoaching begleiten und beraten junge Menschen im Übergang von der Schule in das Berufsleben. Bei Bedarf können Jugendliche an individuelle Unterstützungsleistungen und Förderprogramme herangeführt werden. Damit sollen Entscheidungsgrundlagen für ein realistisches Vorgehen in Richtung weiterer Schulbesuch / Ausbildung / Beschäftigung bereitgestellt werden. Ziel ist die Erhöhung der Chancen am Arbeitsmarkt und die (Re) Integration von Jugendlichen. 

Berufsausbildungsassistenz: Die MitarbeiterInnen der Berufsausbildungsassistenz beraten und begleiten junge Menschen und Betriebe während der gesamten Dauer  der Ausbildung. Ziel ist der positive Abschluss der Ausbildung mit der Lehrabschlussprüfung oder mit einem Zertifikat. 

BBO Beschäftigungs- und Berufsorientierung: Parallel dazu gibt es in St. Pölten die Beschäftigungs- und Berufsorientierungseinrichtung BBO. Hier können sich Menschen mit psychischen Erkrankungen auf einen Wiedereinstieg in das Berufsleben vorbereiten.

Betriebsnahes Arbeitstraining in vier Geschäftsfeldern sowie sozialpädagogische Begleitung und Trainings fördern nicht nur die Arbeitsfähigkeit, sondern stärken auch das Selbstvertrauen und persönliche Kompetenzen. Vermittlungsorientierte Integrationsbegleitung hilft bei der Arbeitsplatzsuche.

Auch Menschen, deren Gesundheitszustand eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt derzeit ausschließt, finden in der BBO nach einem flexiblen Zeitmodell, das der Belastbarkeit des Einzelnen angepasst ist, Beschäftigung.

Mobilitätscoaching: Die Mobilitätscoaches unterstützen Menschen, die Schwierigkeiten bei der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel haben bzw. Unterstützung bei der Erlangung eines Führerscheins benötigen.

Weiters unterstützten die MitarbeiterInnen des Mobilitätscoaching beim Erlernen des Arbeitsweges im Sinne eines Wegtrainings.

Sozialmarkt-Krems: Der soma-Krems unterstützt Menschen mit geringem Einkommen ihren täglichen Lebensmittelbedarf zu decken, wirkt der Verschwendung von Lebensmittel entgegen und bietet Gemeinschaft für vereinsamte Menschen. Darüber hinaus bietet der soma-Krems befristete Dienstverhältnisse und einen Ausbildungsplatz im Raum Krems an.