Mythen und Vorurteile

1. AsylwerberInnen bekommen jede Menge Taschengeld!

Werden die  Flüchtlinge in einem Quartier untergebracht, in welchem ihnen neben der Unterkunft auch die Verpflegung zur Verfügung gestellt wird, erhalten sie ein monatliches Taschengeld in Höhe von 40 € pro Person. In einem Selbstversorger-Quartier entfällt das Taschengeld, allerdings bekommen sie Lebensmittelgeld, pro Person täglich 5,50 €. Einmal jährlich erhalten sie dazu Bekleidungsgutscheine im Wert von 150 € sowie pro Schulkind 200 Euro Schulgeld im Jahr.

 

2. Sie haben aber offenbar Geld, um sich Markenkleidung zu kaufen…

Markenkleidung stammt fast immer aus Kleiderspenden – dankenswerter Weise erhalten wir sehr gut erhaltene Kleidungsstücke von SpenderInnen. Gerade junge AsylwerberInnen erhoffen sich durch das Tragen von Markenkleidung, von gleichaltrigen Einheimischen mehr akzeptiert zu werden.

 

3. Man hört immer wieder, dass die Caritas für AsylwerberInnen teure Handys bezahlt!

Als Caritas bezahlen wir keinesfalls Handys für Asylwerber und geben dafür auch keine Gutscheine aus. Sie erhalten von uns nur die Leistungen aus der Grundversorgung (finanziert durch die öffentliche Hand) ausbezahlt – siehe oben. Auch Gesprächsgebühren werden nicht von der Caritas bezahlt.

Grundsätzlich haben Handys für Flüchtlinge aber eine höhere Priorität als andere Dinge, weil es für sie meist die einzige Möglichkeit ist, den Kontakt zu Familie und Freunden aufrecht zu erhalten. Der Vorteil eines Smartphones ist, dass sie über Skype oder Viber gratis mit ihren Familien telefonieren können. Daher wird das Geld für ein Handy auch manchmal zusammengespart, manche Asylwerber konnten sich auch Erspartes auf die Reise mitnehmen. Viele hatten auch schon zu Hause ein Smartphone, das sie natürlich mitgenommen haben. 

 

4. 80 Prozent der AsylwerberInnen sind Wirtschaftsflüchtlinge

Die meisten Menschen, die in Österreich derzeit einen Asylantrag stellen, kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Die „Annerkennungsquote“ ist bei diesen Ländern sehr hoch – das bedeutet, dass die Menschen bei uns Asyl erhalten, weil sie aus Ihrer Heimat vor Krieg und/oder Terror flüchten. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 39% der Asylanträge positiv entschieden.

 

5. AsylwerberInnen wollen sich nicht integrieren und auch nicht Deutsch lernen!

Auf Seite der AsylwerberInnen  ist die Motivation meist sehr hoch, die sprachliche Hürde zu überwinden, um sich schneller integrieren zu können. Von der Caritas und anderen Organisationen werden kostenlose Deutschkurse – oft auch unter Mithilfe von Ehrenamtlichen – angeboten, allerdings sind diese in der Regel stark überlaufen. Kostenpflichtige Angebote können AsylwerberInnen nicht in Anspruch nehmen. Generell ist Integration natürlich ein Prozess, der nicht nur von einer Seite ausgehen kann, sondern auch die Bereitschaft des „Gegenübers“ und gegenseitiges Aufeinander-Zugehen erfordert. 

 

6. AsylwerberInnen sind alle kriminell!

Die Zahlen rund um die Kriminalität in Österreich werden in zwei verschiedenen Statistiken erfasst: in der polizeilichen und der gerichtlichen Kriminalstatistik. Wie viele Flüchtlinge und Asylsuchende in Österreich verurteilt wurden und damit kriminell sind, geht aber aus keiner der beiden Statistiken hervor. Fakt ist: Flüchtlinge, die in Österreich ankommen, haben oft einen langen Fluchtweg und traumatische Erlebnisse hinter sich. Sie sind auf der Suche nach Schutz und Sicherheit für sich und ihre Familien. Sie sind nicht bereit, dies durch Straftaten zu gefährden.  Und natürlich gelten für Asylsuchende und Flüchtlinge dieselben Gesetze wie für alle anderen auch. Wenn jemand – ganz gleich ob Asylsuchender, Tourist oder österreichischer Staatsbürger – eine kriminelle Tat begeht, wird er nach den österreichischen Gesetzen bestraft.


7. Die Caritas gibt für die Flüchtlinge so viel Geld aus

Die Flüchtlingshilfe der Caritas der Diözese St. Pölten wird zum Teil im Auftrag der öffentlichen
Hand erbracht und von dieser finanziert. Diese Hilfe für Flüchtinge erbringt die Caritas St. Pölten zusätzlich. Keine andere Hilfsleistung der Caritas leidet darunter. Spenden werden in der Flüchtlingshilfe nur dann verwendet, wenn sie vom/von der SpenderIn ausdrücklich für diesen Verwendungszweck gewidmet wurden. Daraus werden insbesondere Integrationshilfen finanziert, die von der öffentlichen Hand nicht abgedeckt werden.

 

8. Die Caritas holt Flüchtlinge ins Land

Die Caritas holt keine Flüchtlinge ins Land, sondern hilft bereits in den Herkunftsländern. Sie setzt sich dafür ein, dass in Österreich bereits aufhältige AsylwerberInnen entsprechend der Menschenrechte behandelt werden.
Politische oder religiöse Verfolgung sowie Bürgerkriege und Katastrophen sind mögliche Auslöser, dass Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Menschen, denen Asyl zugesprochen wird, unterstützt die Caritas bei der Integration in Österreich. Nicht jeder hat ein Recht auf Asyl, aber jeder hat ein Recht auf ein faires, rechtsstaatliches und den Menschenrechten entsprechendes Asylverfahren. Die Caritas hilft auch bedürftigen, rückkehrwilligen Flüchtlingen sehr erfolgreich bei der Rückkehr und Reintegration in die Heimatländer. Und die Caritas hilft Menschen in Not in ihren Heimatländern vor Ort, damit sie ihre Heimat nicht verlassen müssen.
Eine positive Veränderung im Herkunftsland und das Vorhandensein einer Lebensgrundlage sind die Basis für den Rückgang von Migrationsbewegungen – niemand verlässt gerne sein Heimatland!

 

9. Wir werden von Flüchtlingen überrannt und selbst zu Fremden im eigenen Land!

Im Jahr 2015 haben 88.151 Personen einen Asylantrag gestellt. Bei rund 8,5 Millionen EinwohnerInnen Österreichs sind das knapp über 1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dies bedeutet nicht, dass alle Ansuchen auch genehmigt werden. 2014 wurden rund 8.700 Asylverfahren positiv entschieden. Als Caritas machen wir immer wieder die Erfahrung, dass durch persönliche Begegnung plötzlich die Menschen hinter dem Schlagwort „AsylwerberIn“ oder „Flüchtling“ gesehen werden. Dann wird auch entdeckt, dass es zwar kulturelle Unterschiede gibt, aber auch Gemeinsamkeiten – im Hinblick auf Werte ebenso wie auf alltägliche Sorgen, Interessen und Fähigkeiten.

 

10. Die Caritas hilft nur Flüchtlingen!

Die Caritas unterstützt pro Jahr tausende Menschen in Niederösterreich. Mit vielen Einrichtungen und Projekten ist die Caritas täglich im Einsatz für Menschen in Not, Menschen mit psychischen oder kognitiven Beeinträchtigungen, Kinder und Jugendliche, ältere Menschen und Familien. Die Caritas leistet die Hilfe für Flüchtlinge zusätzlich zu den bestehendenen Hilfsangeboten. Diese leiden in keiner Weise unter der Hilfe für Menschen auf der Flucht. Wir bieten Hilfestellungen für Menschen in verschiedenen Lebenslagen:

  • Menschen in akuten Notsituationen
  • Familien, Schwangere, Alleinerziehende
  • Kinder und Jugendliche
  • Menschen, die Pflege und Betreuung brauchen
  • arbeitssuchende Menschen
  • Menschen mit Erkrankungen, Angehörige und Trauernde
  • Menschen mit Behinderungen
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Menschen mit Suchtproblemen
  • AsylwerberInnen, anerkannte Flüchtlinge in Österreich
  • Menschen in Not in Europa, Afrika und Asien