Pflege 2 und Pflege EG sind zertifizierte Böhm Stationen

Caritas Pflegeheim Haus St. Elisabeth

Caritas Pflegeheim Haus St. Elisabeth

09.07.2015: Bereits zum zweiten Mal stellte sich das Team Station 2 im Haus Elisabeth, Caritas St. Pölten erfolgreich der Rezertifizierung, das bisher sehr gute Ergebnis konnte im Bereich Dokumentation gesteigert werden. Herzlichen Glückwunsch an alle Mitarbeitenden zu diesem überragenden Ergebnis. Ein Dank geht auch an das Leitungsteam des Hauses, danke für die Unterstützung! *

 

09.07.2015: Im Haus Elisabeth, Caritas St. Pölten, stellten sich die Mitarbeitenden der Station EG erstmalig der Zertifizierung. In allen Bereichen wurde ein sehr gutes Ergebnis erzielt, deutlich wird "Aufleben statt Aufheben" in der Alltagsnormalität. Psychopharmaka werden in Zusammenarbeit mit den Ärzten selten und in geringen Dosen eingesetzt, kontrolliert und evaluiert, damit ist Wachheit und Lebendigkeit garantiert. Wir gratulieren allen Beteiligten und bedanken uns für den Einsatz *

 * Homepage des ENPP: http://www.enpp-austria.com/neuigkeiten.htm

 

Was bedeutet zertifiziert zu sein?

Ideologie

Pflege nach Böhm heißt, dass die Pflegequalität nicht primär somatisch oder grundpflegerisch ausgerichtet ist, sondern sich hauptsächlich mit den seelischen Inhalten beschäftigt. Die Bewohner sind Ausgangspunkt der Betrachtensweise!

Auf der Station gibt es ein großes Team das aus DGKS, APH, PH, FSOB, Helferinnen, Zivildiener und Schülern besteht. Um ein gutes Miteinander zu gewährleisten, ist es notwendig dass alle nach denselben Prinzipien und Planungen arbeiten. Regelmäßige Pflegevisiten, Weiterbildungen und Teambesprechungen sind dafür eine wichtige Vorraussetzung.

Wir versuchen die Menschen zu stabilisieren und zu verbessern durch:

  • Beziehungsaufbau
  • Gefühlsstabilisierung, Symptomlinderung
  • Gespräche (Biographisches, Entlastungs- Angstlösendes- Ich-Stärkendes- Sinngebendes Gespräch)
  • Erhaltung der Alltagskompetenz
  • Rückgabe der Alltagsaktivitäten
  • Sinn geben, Motive finden und einsetzen
  • Wichtigkeit geben
  • Ich- Wertstärkung

Es wird versucht auf der Station die Lebenstriebe, die Motive und die offenen Grundbedürfnisse des einzelnen Bewohners in den Alltag gezielt einzusetzen. Es werden mit allen Bewohnern differenzialdiagnostische Ausgänge nach der Aufnahme gemacht, auch Entlassungen sind immer wieder möglich


Wichtig für das Arbeiten nach Böhm ist vor allem auch die Durchführung einer wöchentlichen Pflegevisite. Bei der jeweils eine Situation besprochen, dokumentiert, eingestuft und adäquate Impulse gefunden werden- sodass jeder der Mitarbeiter weiß, wie er auf die jeweilige Situation reagieren soll und welche Impulse man dem einzelnen Bewohner anbietet, um die Problemsituationen zu vermeiden.
Wichtiger Ausgangspunkt, und für jede Pflegeperson zu beachten, ist die individuelle Biographie des Bewohners.

 

Normalitätsprinzip

Was war früher für den Bewohner in seiner Prägungszeit normal oder üblich? Gemeint sind moralische/ ethische Wertvorstellungen, Sitten, Gebräuche und Alltagsgeschichten.

Der Bewohner kann SEINE Normalität leben! Normal ist alles, was in einer bestimmten Region und Zeitgeistsituation üblich ist.

Problemerkennung ist zunächst wichtig. Hermeneutische Haltung: d.h. Verstehen- verstehende Pflege- empathisches Verstehen!
Wir Pflegenden sollen lernen:
A= die Handlungsabsichten zu eruieren und
B= die Signalsprache zu verstehen

  • Was fehlt?
  • Was ging verloren?
  • Was ist anders als früher?
  • Was schafft Symptome?
  • Was geht dem Bewohner ab?
  • Was behindert sein Leben?
  • Was führte zu Regression, zu Dekompensation?


Wichtig um Normalität zu gewährleisten ist, dass man gezielt die Ressourcen der Bewohner fördert, die Umgangssprache erfolgt je nach Interaktionsstufe. Die aus der Biographie herausgefundenen Motive werden gezielt eingesetzt, ebenso Folkloresprüche und die verschiedensten Impulse machen es möglich, dass die Bewohner angeben sich wohl zu fühlen und wieder wichtig sind. Gerade beim Essen wird darauf geachtet, die Selbstständigkeit zu fördern und zu erhalten, durch Schöpfsystem ist es möglich, individuelle Portionen zu richten. Für das Frühstück steht, wie zu Hause, auf dem Tisch die Marmeladegläser, das Gebäckkörberl und die Butter zum selber nehmen. Wichtig zu berücksichtigen ist die Sitzordnung entsprechend dem Milieu bzw. der Interaktionsstufe, ebenso wie auch die Verwendung von altem, buntem Geschirr.

 

Milieugestaltung

"Daheimsein" ist ein Gefühl. Was empfinget der alte Mensch als (s)ein Daheim? Daheim kann mit allen Sinnen erlebt werden und ist für jeden anders. Das Daheim hat immer etwas Vertrautes, etwas Bekanntes in sich.

  • Es gibt Sicherheit und es gibt Orientierung
  • Es gibt Selbstbestimmung, Autonomie
  • Es gibt die Möglichkeit des Eigenen, der Abgrenzung, des Rückzugs
  • Es gibt auch die Möglichkeit der Gesellschaft, der Gemeinsamkeit

 

Daheim ist da, wo ich verstehe und verstanden werde!


Um ein "Daheimgefühl" zu ermöglichen, wird versucht, dass jeder Bewohner sich sein Zimmer individuell einrichtet, d.h. viele Möbel, Bilder, Erinnerungen und Gegenstände von zuhause mitnimmt.
Auf der Station gibt es Ein- und Zweibettzimmer und im Rahmen des baulich möglichen wird versucht, ein Daheimgefühl der Bewohner zu gewährleisten. Auf der gesamten Station gibt es verschiedene, dem Milieu angepassten "Ecken", zahlreiche Nischen mit verschiedensten Gegenständen aus dem Zeitgeist bieten den Bewohnern zusätzlich noch eine Rückzugsmöglichkeit.

 

Psychobiographische Dokumentation

Wichtig für die Dokumentation nach dem psychobiographischen Pflegemodell nach Böhm ist die Biographie, um den einzelnen Bewohner besser zu verstehen, Trainingsmaßnahmen und Prävention durchzuführen, Impulse planen und umsetzen zu können und die Symptome zu lindern. Die Biographie wird im Laufe des Aufenthalts mit Gesprächen erhoben.

In den Pflegeplanungen (in den verschiedenen ATL´ s) ist die individuelle Normalität berücksichtigt, genaue Maßnahmen sind formuliert, die von allen Mitarbeitern auf der Station genau durchgeführt werden. In den Pflegeberichten wird nicht nur der Zustand des Bewohners formuliert sondern vor allem auch emotionale Einträge, z.B. wie ist die Reaktion auf verschiedene Impulse, wie ist die Mimik und Gestik, wie geht es dem Bewohner…  

Film "erLeben"

Im Haus St. Elisabeth der Caritas St. Pölten wurde beinahe 3 Jahre lang eine wissenschaftliche Arbeit von Studierenden der FH St. Pölten zum Thema Methodenvergleich, Validation und vor allem Basale Stimulation® durchgeführt. Der Film „erLeben“ zeigt Einblicke in das Leben im Pflegeheim und veranschaulicht die verschiedenen Möglichkeiten des Zugangs zum Pflegeberuf und des Umgangs mit den Gepflegten unter Rücksichtnahme auf die Idee der Basalen Stimulation®