Gedenkfeier im Haus St. Elisabeth für verstorbene BewohnerInnen 2017

08.11.17 / 16:09

Die diesjährige Gedenkfeier für unsere Verstorbenen des vergangenen Jahres fand diesmal am 8. November statt. Viele Angehörige kamen, um an ihre Lieben zu denken, für sie zu beten und sie zu verabschieden.

Als Leitfaden wählte ich heuer das Thema ZEIT. Ich erzählte eine kurze Geschichte: „Stellt euch vor, ihr hättet bei einem Preisausschreiben den ersten Preis gewonnen. Eine Bank zahlte euch jeden Tag 86.400 Schweizer Franken auf euer Konto. Die Zahlung erfolgt allerdings unter einer Bedingung. Ihr müsst die ganze Summe an dem Tag ausgeben, an dem sie ausgezahlt wird. Ihr könnt das Geld, das ihr nicht ausgebt, nicht zurücklegen oder auf ein Sparbuch einzahlen.“ ­- Nach einer deutlichen Denkpause warteten alle auf den Sinn dieses ungewöhnlichen Vergleichs. Nun, die Summe der scheinbar willkürlich gewählten Zahl der Schweizer Franken entspricht genau den 86.400 Sekunden, die jeder Tag hat. Eine Zahl, die wir uns kaum vorstellen können! Sie kommt uns unwahrscheinlich und riesig vor. Die Pointe des Vergleichs: Was mache ich mit dem täglichen Geschenk von 86.400 Sekunden, wenn ich sie heute lebe, aber nicht auf den nächsten Tag übertragen darf? Wie gehe ich mit dem Geschenk eines neuen Tages mit seinen 86.400 Sekunden um? Vielleicht muss ich ein neues Verhältnis zum Terminkalender suchen. Das kommt schon im Wort „Datum“ zum Ausdruck. Datum bedeutet: „das Gegebene, das Geschenkte“. Gott schenkt jeder und jedem täglich 86.400 Sekunden. Alles, was Gott schenkt, ist uns gegeben, damit wir es mit anderen teilen, auch die Zeit.

 

Nicht fehlen durfte natürlich wieder das „Kerzen-Ritual“. Die Fotos der 48 Verstorbenen wurden auf die Leinwand projiziert. Die einzelnen Namen wurden vorgelesen und die Angehörigen hatten die Möglichkeit, nach vorne zu kommen und eine Teekerze anzuzünden und auf einen kleinen Holzunterteller zu geben, welche in Form des Schriftzuges „ZEIT“ ausgelegt waren.

Mich persönlich gefreut hat auch wieder, dass alle Bereiche, von der Verwaltung bis zur Küche, Priester, BewohnerInnen, Angehörige, Pflegepersonal, freiwillige Mitarbeiter mitgewirkt haben bzw. vertreten waren.

Bericht von: Diakon Johannes Kräftner, Seelsorger im Haus St. Elisabeth