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Lebensbegleitung bis zuletzt

01.07.15 / 08:34

Der Mobile Hopizdienst der Caritas St. Pölten startet im September einen neuen Lehrgang für Lebens-, Sterbe und TrauerbegleiterInnen in Seitenstetten. Der 160 Stunden umfassende Lehrgang bereitet die TeilnehmerInnen darauf vor, Menschen mit schwersten Erkrankungen ein würdiges Leben bis zuletzt zu ermöglichen, die Angehörigen zu begleiten und Hilfe bei der Organisation von Betreuungsnetzen zu bieten.

 

Sowie im Fall von Anna, die schwer erkrankt im Spital war und sich wünschte „Ich will nach Hause, ich will die letzten Tage in einer gewohnten Umgebung sein!“ Anna hatte Brustkrebs und nach vielen Therapien hatten sich die Metastasen im ganzen Körper und auch im Gehirn ausgebildet. „Wie soll das gehen?“, fragten die Angehörigen, die selbst weit entfernt wohnten.  Ärzte, Hauskrankenpflege und der Mobile Hospizdienst machten sich auf den Weg und organisierten ein Betreuungsnetz, sodass Anna nur in der Nacht und einige Stunden am Nachmittag alleine war. Sie war glücklich, im eigenen Bett zu schlafen, „Stosuppe“ zu essen und die Felder und den Wald aus dem Küchenfenster beobachten zu können.

„Eines Nachmittags fand ich Anna halb schlafend auf der Küchenbank vor. Im Laufe dieses Gesprächs nahm ich die große Schwäche ebenso wahr, wie ihre großen Atempausen“, erzählt die ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin. Bei den vergangenen Gesprächen war für Anna noch nicht denkbar, die letzten Tage auf einer Palliativstation oder in einem Hospiz zu verbringen.  An diesem Nachmittag sagte sie nach einem kurzen Nickerchen: „Es ist jetzt Zeit zu gehen. Ich möchte nun nicht mehr alleine sein. Organisieren sie bitte, dass ich ins Krankenhaus komme!“ Gemeinsam mit Palliativärzten und dem Hospizdienst kommt es am nächsten Tag zur Aufnahme in der Palliativstation, wo sie gut versorgt wird. Zwei Tage später ist Anna nicht mehr ansprechbar, und wenige Tage darauf stirbt sie im Beisein ihrer Tochter.

Die Tage zu Hause waren für Anna geprägt vom Abschied nehmen und dafür brauchte sie einen Raum und ein Gegenüber. Durch die individuelle Begleitung von HospizmitarbeiterInnen entsteht oft dieser Raum, wo diese ganz persönlichen Dinge, die das eigene Leben prägen, besprochen, beweint oder in Stille (aus)gehalten werden können.

 

Der Mobile Hospizdienst der Caritas St. Pölten sucht weitere ehrenamtliche MitarbeiterInnen und bietet ab September wieder einen Lehrgang für Lebens-, Sterbe und Trauerbegleiter in Seitenstetten an.

Mehr Informationen auch unter https://www.caritas-stpoelten.at/hilfe-angebote/mobiles-hospiz/bildung/ oder 0676/83 844 635 Christine Umgeher, Caritas St. Pölten