Caritas Familienhilfe: Seit 75 Jahren wichtige Unterstützung für Familien in schwierigen Lebenslagen

Die Geschichte der Familienhilfe der Caritas St. Pölten reicht mittlerweile 75 Jahre zurück. Seit 1951 stehen Familienhelfer*innen Familien in Krisensituationen zur Seite – sie unterstützen Mütter und Väter in allen Lebenslagen, um ein geschütztes Umfeld für ihre Kinder zu schaffen.

„Die Unterstützung von Familien in Not ist ureigenster Auftrag der Caritas. Gerade dann, wenn Menschen besonders verletzlich sind, brauchen sie Nächstenliebe und Schutz. Kinder sind hier eine der ganz betroffenen Gruppen. Umso mehr ist es uns ein Anliegen, diese Leistung gemeinsam mit der Förderung durch das Land Niederösterreich als einziger Träger in Niederösterreich anbieten zu können.“, betont Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger. 

1951 – 2026: Dieselbe Arbeit, andere Zeiten
Während in den 1950er- und 1960er-Jahren das Hauptaugenmerk auf der Unterstützung von kinderreichen Familien lag, warten heute andere Herausforderungen auf die Familienhelfer*innen. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich stark verändert: Mehrheitlich sind beide Elternteile erwerbstätig, Mütter kehren wesentlich früher aus der Karenz in den Beruf zurück und das Pensionsantrittsalter der Großeltern hat sich erhöht. Viele sind alleinerziehend. Akute Erkrankungen, Unfälle oder schwere chronische Krankheiten von Elternteilen oder von Kindern können unter diesen Voraussetzungen nicht mehr ausschließlich in der Familie bewältigt werden. Auch psychische Probleme können zu kritischen Situationen in Familien führen.

Die Aufgaben sind dementsprechend anspruchsvoll. Die Hilfe umfasst die Unterstützung bei Schwangerschaften und Geburten ebenso wie die Beaufsichtigung von Kindern, wenn die eigentliche Betreuungsperson erkrankt ist, sich im Spital, auf Kur oder Reha befindet, sich von einer Operation erholt oder verstarb. 

Das Angebot der Caritas der Diözese St. Pölten findet großen Anklang: Allein im Jahr 2025 wurden 160 Familien durch 270 Einsätze der insgesamt 15 Familienhelfer*innen in der Familien- und Kinderbetreuung im Wald- und Mostviertel, St. Pölten und Umgebung Tulln, begleitet. Die oft vielschichtigen Problemlagen führen auch dazu, dass viele Familien länger auf die Unterstützung der Familienhilfe angewiesen sind. Durchschnittlich können die Mitarbeiterinnen vier Wochen in den Familien bleiben, bei Bedarf kann auch um eine Verlängerung angesucht werden. 

Unterstützung über Generationen hinweg
Wie tiefgreifend diese Hilfe wirkt, zeigen die persönlichen Erfahrungen der Betroffenen. Ein Vater berichtet von Erlebnissen, die bis in seine eigene Kindheit zurückreichen: Als seine Mutter nach einer schwierigen Geburt Unterstützung benötigte, betreute eine Familienhelferin seinen Bruder und ihn. Jahre später nahm er die Familienhilfe der Caritas St. Pölten erneut in Anspruch – diesmal selbst als Elternteil. 

Nach der Geburt von Zwillingen wurde Familie Kiener mehrere Wochen im Alltag begleitet: „1989 freuten sich meine Eltern und ich auf die Geburt meines Bruders. Familienzuwachs ist eigentlich immer ein sehr freudiges Ereignis und man geht davon aus, dass alles gut geht. Da es damals noch keinen „Papamonat“ oder ähnliches gab, waren wir sehr glücklich darüber, dass uns die Familienhilfe der Caritas unterstützte, als wir deren Hilfe im Umfeld der Geburt brauchten. Als wir 2024 erfahren haben, dass unser Ältester gleich zwei neue Geschwister bekommen wird, habe ich mich an diese Hilfe erinnert und meine Frau Carina und ich waren sehr froh darüber, dass wir die Unterstützung von „unserer“ unglaublichen Familienhelferin bekommen haben. Vielen Dank dafür!“, so Gerald Kiener.

Gerda Bernauer, Leiterin der Familienhilfe, hebt die Leistungen des Teams und die Weiterentwicklung der Einrichtung hervor: Unsere Mitarbeiterinnen sind in Ihrer Arbeit mit unterschiedlichen, oft auch mit herausfordernden und für die Familien auch besonderen Familiensituationen und Themen konfrontiert. Sie versuchen die Lebenswelten der Familien zu verstehen und sie nach ihrem Tempo und Bedarf zu begleiten. Dazu brauchen sie Flexibilität, Einfühlungsvermögen und Organisationstalent. Heute steht die Planung und Organisation des Familienlebens, wie z.B. die Freizeitaktivitäten der Kinder koordinieren, oder das Haushaltsmanagement mehr im Fokus als früher. Der zeitliche Druck alles unter zu bringen ist oft hoch. Auch hier versuchen die Fachkräfte der Familienarbeit die Familien zu entlasten und durch praktische Hilfe den Alltag zu erleichtern.“

Karin Thallauer, Bereichsleiterin für Familie & Pflege, ergänzt: Die Öffnung der Berufsgruppen durch unseren Fördergeber GS6 im Jahr 2024 hat uns sehr dabei geholfen die Familienhilfe noch besser und multiprofessioneller aufzustellen, zum Beispiel arbeitet nun auch eine Kinderkrankenschwester bei uns mit. Der bunte Qualifikationsmix im Team führt dazu, dass die Professionalität aller Mitarbeiterinnen weiter zugenommen hat, da man zahlreiche Fragestellungen rund um Kindeswohl und Familienmanagement, Krankheit, Behinderung etc. durch teaminterne Wissensvermittlung beantworten kann.“

Praxisnahe Ausbildung bei der Caritas
Wer in der Familienhilfe arbeiten möchte, absolviert die Ausbildung zur Diplom-Sozialbetreuerin bzw. zum Diplom-Sozialbetreuer mit dem Schwerpunkt „Familienarbeit“ mit integrierter Pflegeassistenz-Ausbildung. Diese Ausbildung bietet eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis. Sie wird als 3-jährige Ausbildung ab 17 Jahren in den Caritas Bildungszentren für Gesundheits- und Sozialberufe in St. Pölten angeboten oder in der 5-jährigen Höheren Lehranstalt für Pflege und Sozialbetreuung am BiGS Gaming mit Maturaabschluss. www.caritas-bigs.at