Seit 2006 unterstützt die Kompetenzstelle Demenz der Caritas St. Pölten Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen. Ihr 20-jähriges Bestehen feierte die Einrichtung am 21. September, dem Welt-Alzheimer-Tag gemeinsam mit Wegbegleiter*innen, Kooperationspartner*innen und Gästen am Grillparzer Campus in St. Pölten.
Was vor 20 Jahren mit viel Pioniergeist begann, ist heute ein etabliertes Beratungs- und Unterstützungsangebot in Niederösterreich: Seit 2006 begleitet die Kompetenzstelle Demenz der Caritas St. Pölten Menschen mit Demenz und ihre Familien. Das Jubiläum bot Anlass, auf die Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte zurückzublicken, langjährigen Wegbegleiter*innen zu danken und den Blick auf künftige Aufgaben zu richten.
Zur Jubiläumsfeier am Grillparzer Campus begrüßte die Caritas unter anderem Bürgermeister Matthias Stadler, der zum Jubiläum gratulierte: „Es freut mich, dass gerade am heutigen Welt-Alzheimer-Tag diese Veranstaltung stattfindet und die Kompetenzstelle Demenz der Caritas sich bereits 20 Jahre diesem wichtigen Thema widmet. Die demografische Entwicklung zeigt, dass wir alle älter werden und die Lebenserwartung steigt, wir aber nicht unbedingt gesund älter werden, wenn nicht die entsprechende Betreuung und Versorgung dahintersteht. Ein großes Danke daher an dieser Stelle, dass ihr Betroffenen und deren An- und Zugehörige Rat, Hilfe und auch Hoffnung gebt.“
Neben den Schüler*innen der Grillparzer Volksschule, die die Feier musikalisch mitgestalteten, bildete die Darbietung der Aktivgruppe für Menschen mit Demenz aus Horn, die mit Musik, Bewegung und Rhythmusinstrumenten für ein aktives Miteinander sorgte, einen besonderen Programmpunkt.
„Die Diagnose Demenz verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern stellt auch Familien und das gesamte soziale Umfeld vor große Herausforderungen. Seit 20 Jahren zeigt unsere Kompetenzstelle, wie wichtig persönliche Beratung, verständliche Information und verlässliche Begleitung sind“, betonte Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger anlässlich des Jubiläums. „Unser Ziel ist es, dass Menschen mit Demenz möglichst lange selbstbestimmt leben können und ihre Angehörigen mit ihren Fragen und Belastungen nicht allein bleiben.“
Aus Pionierarbeit wurde ein umfassendes Angebot
Gegründet wurde die Kompetenzstelle Demenz am 1. April 2006 von DGKP Lea Hofer-Wecer. Bei der Jubiläumsfeier berichtete sie im Gespräch mit Claudia Rathmanner, der heutigen Leiterin der Kompetenzstelle, über die Anfänge und den Aufbau der Einrichtung.
In den ersten Jahren entstanden zahlreiche Angebote: Konsiliarbesuche im Zentralraum, Mostviertel und Waldviertel, Angehörigenstammtische, Gedächtnistrainings, Schulungen für Caritas-Mitarbeiter*innen sowie Informationsveranstaltungen rund um das Thema Demenz. Auch die Vernetzung mit Pfarren, Krankenhäusern, Ärzt*innen und weiteren Einrichtungen war von Beginn an ein wichtiger Teil der Arbeit.
Ein bedeutender Meilenstein war der Beginn der Zusammenarbeit mit dem Demenzservice Niederösterreich im Jahr 2018. Im Rahmen der Demenzstrategie des Landes Niederösterreich startete die Kooperation zunächst als Pilotprojekt in der Region NÖ Mitte und wurde 2020 auf ganz Niederösterreich ausgeweitet. Dadurch konnten persönliche Beratungen, Hausbesuche und Vorträge nachhaltig abgesichert werden. Ebenfalls 2018 starteten regionale Info-Points für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.
Steigender Bedarf an Beratung und Begleitung
Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Im Jahr 2011 verzeichnete die Kompetenzstelle 107 Hausbesuche und 39 Vorträge. 2022 waren es bereits 341 Hausbesuche, 37 Vorträge, 79 Info-Points und 17 Gesundheitstage. Die aktuell vorliegenden Zahlen weisen 439 Hausbesuche, 46 Vorträge, 80 Info-Points und zwölf Gesundheitstage aus.
„Eine Demenz verunsichert und bringt viele Fragen mit sich. Häufig erleben wir in unseren Beratungen wie groß die emotionale Belastung für Angehörige und Vertrauenspersonen ist. Sie möchten das Beste für ihre Liebsten, geraten dabei aber oft an die eigenen Grenzen“, erklärte Claudia Rathmanner, Leiterin der Kompetenzstelle Demenz. „Genau hier setzen wir an: Bei uns finden Ratsuchende einen geschützten Raum, um offen über Ängste, Überlastung und Alltagsfragen zu sprechen. Unser Ziel ist es, Angehörige zu entlasten, ihnen praktisches Wissen an die Hand zu geben und gemeinsam Wege zu finden, wie ein würdevolles Miteinander trotz der Erkrankung gelingen kann“
Persönliche Einblicke in das Leben als Angehörige machten bei der Jubiläumsfeier deutlich, welche Herausforderungen die Erkrankung im Alltag mit sich bringt – aber auch, dass weiterhin wertvolle und schöne gemeinsame Momente möglich sind.
Innovative Projekte fördern Lebensqualität und Teilhabe
In den vergangenen 20 Jahren entwickelte die Kompetenzstelle zahlreiche Projekte. Dazu zählen der Demenzurlaub für Betroffene und Angehörige, die Informationsbroschüre „Wohnen im Alter“, Tanzveranstaltungen für Menschen mit und ohne Demenz sowie der ausgezeichnete „Bunte Nachmittag“ in Arbesbach. Der von Gründerin Lea Hofer-Wecer entwickelte Demenz-Seesack „Lea“ enthält Produkte, die in Caritas-Werkstätten speziell für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz gefertigt werden.
Seit September 2025 gibt es in Horn außerdem eine wöchentliche Aktivgruppe für Menschen mit Demenz. Das im Rahmen eines zweijährigen LEADER-Projekts entstandene Angebot fördert vorhandene Fähigkeiten, schafft Gemeinschaft und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe.
Heute ist die Kompetenzstelle im Zentralraum, im Mostviertel und im Waldviertel tätig. Das Team wird dabei von engagierten Freiwilligen unterstützt. Unter dem Motto „Von Mensch zu Mensch eine Brücke bauen“ zeigte die Jubiläumsfeier, was die Arbeit der Kompetenzstelle seit 20 Jahren auszeichnet: persönliche Begegnung, fachkundige Unterstützung und ein wertschätzender Umgang mit Menschen mit Demenz und ihren Familien.
Weitere Informationen unter www.caritas-stpoelten.at/demenz
