Raum für Trauer, Verbundenheit und Erinnerung

Gedenkfeiern für Menschen, die durch Suizid verstorben sind
Wenn ein Mensch durch Suizid stirbt, bleiben tiefe Trauer, Schmerz und oftmals viele offene Fragen zurück. 

Bei zwei Gedenkfeiern im Bildungszentrum St. Benedikt und im Bildungshaus St. Hippolyt fanden Angehörige, Nahestehende und solidarisch Mitfühlende einen geschützten Raum für ihre Erinnerungen und Gefühle. Am 10. September in Seitenstetten und am 11. September in St. Pölten kamen jeweils rund 30 Menschen zusammen, um jener zu gedenken, die durch Suizid verstorben sind. Unabhängig davon, ob der Verlust erst kurze Zeit oder bereits viele Jahre zurücklag, durfte alles da sein: Trauer und Schmerz, aber auch Dankbarkeit für die gemeinsam verbrachte Zeit.

Im Mittelpunkt der Feiern standen zwei Symbole: Das Labyrinth versinnbildlichte die verschlungenen und oftmals schweren Trauer- und Lebenswege, die jeder Mensch auf seine eigene Weise geht. Tonscherben erinnerten an die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens – und zugleich daran, dass wir alle Teile eines großen Ganzen sind. Jede Scherbe stand für einen einzigartigen Menschen, der eine spürbare Lücke hinterlassen hat und dennoch im Herzen unvergessen bleibt. Ausgewählte Texte, Lieder, gemeinsame Rituale und Momente der Stille schufen eine Atmosphäre des Trostes und der Verbundenheit.

„Ich bin nicht allein“
Wie wertvoll dieses gemeinsame Erinnern sein kann, beschreibt eine Teilnehmerin: „Im Vorfeld war ich unsicher, ob ich schon bereit bin, an dieser Feier teilzunehmen. Die Wunde ist noch so frisch – und die Feier bringt mir meine liebe Freundin und Schwägerin nicht zurück. Eingeladen waren wir, gemeinsam unserer Verstorbenen zu gedenken. In einem liebevoll gestalteten Rahmen wurden wir mit Texten, Liedern und Ritualen behutsam durch die Feier begleitet. Dabei ging es vor allem auch um uns: um unsere Nöte, um unser neues Selbst und um unsere Schritte durch das Labyrinth der Gefühle. Ich habe gespürt und verstanden: Ich bin nicht allein. Partnerinnen und Partner, Kinder, Eltern, Schwestern und Brüder – so viele Menschen haben einen geliebten Menschen durch Suizid verloren. Unseren Lieben wurde das Leben zu schwer. Wir gehen weiter – belastet, aber nicht allein.“

Das gemeinsame Erinnern machte erfahrbar: Niemand muss mit seiner Trauer allein bleiben. Geteiltes Leid kann Halt geben und neue Kraft schenken, um den eigenen Lebensweg weiterzugehen.

Begleitete Trauergruppe für Angehörige
Im Oktober beginnt erneut eine begleitete Trauergruppe für Angehörige von Menschen, die durch Suizid verstorben sind. Eine Anmeldung ist noch möglich.

Information und Anmeldung:
Barbara Kögl 0676 / 83 844 632
Gerti Ziselsberger 0676 / 83 844 7373