30 Jahre Mobiler Hospizdienst der Caritas St. Pölten

6.500 Hospiz- und Trauerbegleitungen seit 1996 – Jubiläumsfeier in Stattersdorf würdigte das Engagement ehrenamtlicher Wegbegleiter*innen

Zeit schenken, zuhören und auch in schwierigen Momenten bleiben: Seit 30 Jahren begleitet der Mobile Hospizdienst der Caritas St. Pölten schwer kranke, sterbende und trauernde Menschen sowie ihre Angehörigen. Am 2. Oktober feierte der Dienst sein Jubiläum im Pfarrzentrum Stattersdorf. Im Mittelpunkt standen jene Menschen, die diese Arbeit wesentlich tragen: die ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen. Die Jubiläumsbilanz zeigt die Bedeutung ihres Einsatzes für Niederösterreich: 6.500 Hospiz- und Trauerbegleitungen und mehr als 106.000 ehrenamtlich geleistete Stunden seit 1996.

Der Festakt, dem auch Abgeordneter zum NÖ Landtag Vizebürgermeister Florian Krumböck in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Sozialstadträtin Mag. Marie-Theres Amler-Buhr in Vertretung des Bürgermeisters und Stadträtin und Vizepräsidentin des Hilfswerks im Mostviertel Marion Gabler-Söllner beiwohnten, stand im Zeichen von Wertschätzung, Dank und ein Blick in die Zukunft. Eine Impulsrunde mit Vertreter*innen des Landesverbands Hospiz NÖ, des Dachverbands Hospiz Österreich und der Caritas widmete sich der Frage, wie Hospizarbeit resilient und zukunftsorientiert gestaltet werden kann. Ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen gaben Einblicke in ihre Erfahrungen und wurden für ihr Engagement geehrt. Künstlerisch begleiteten „Lebenstänzer“ und Palliativexperte Felix Grützner sowie Querflötistin Melanie Schwetz-Wiedenhöft die Feier. Am Abend eröffnete Grützner mit Domorganist Ludwig Lusser mit der Performance „Wer bist du, Tod?“ in der Milleniumskirche Stattersdorf einen weiteren Zugang zu Abschied und Lebensfreude.

Zeit und Zuwendung machen den Unterschied
Was Hospizbegleitung bewirken kann, zeigt eine Erfahrung von Christine, die seit 18 Jahren ehrenamtlich im Hospizteam tätig ist. Eine schwer kranke Frau erzählte ihr vom Wunsch, ihren Sohn noch einmal zu umarmen. Beide scheuten sich davor, den ersten Schritt zu machen. Christine sprach den Sohn darauf an und ermöglichte die Begegnung. „Gemeinsam mit dem Sohn ging ich dann in das Zimmer und beide umarmten einander innig“, erinnert sie sich.

Auch gemeinsames Musizieren, ein Gespräch oder ein vertrauter Geschmack können wertvolle Lebensmomente schaffen. Hospizbegleiterin Michaela erzählt von einer ehemaligen Chorsängerin, mit der sie während einer Begleitung sang. „Es geht ja bei der Sterbebegleitung einfach darum, den Moment schön zu machen“, beschreibt sie ihre Erfahrung.

Die Begegnungen wirken dabei in beide Richtungen. „Ich kann ihre letzte Lebensphase bereichern und werde dabei selbst beschenkt durch vertrauensvolle Begegnungen“, sagt die ehrenamtliche Hospizbegleiterin Manuela.

Von einem Team zu acht regionalen Hospizteams
1996 wurde der Hospizdienst der Caritas St. Pölten offiziell in den Dachverband Hospiz Österreich aufgenommen. Im selben Jahr entstanden die erste Anstellung für den Dienst und das Hospizteam St. Pölten. Weitere Teams folgten in Krems 1999, Amstetten 2001, Lilienfeld 2003 und Waidhofen an der Ybbs 2004. Seit 2009 ergänzt das Trauertelefon die persönliche Begleitung. Mit der Aufteilung des Teams St. Pölten Land in Nord und Süd wurde die regionale Struktur 2025 weiterentwickelt.

Zurzeit engagieren sich 138 Ehrenamtliche und neun hauptamtliche Mitarbeiter*innen in insgesamt acht Teams. Sie sind in St. Pölten Stadt, St. Pölten Land Nord und Süd, Krems, Lilienfeld, Amstetten Stadt und Land sowie Waidhofen an der Ybbs tätig. Seit Beginn wurden 106.173 ehrenamtliche Stunden geleistet und 1.213.410 Kilometer zurückgelegt.

Die Ehrenamtlichen werden für ihre Aufgabe in Lehrgängen bzw. einem Grundkurs ausgebildet und durch hauptamtliche Koordinator*innen unterstützt. Regelmäßige Teamtreffen, Supervision und Fortbildungen geben Raum, Erfahrungen zu besprechen und die eigene Arbeit zu reflektieren.

Kostenlose Begleitung für Betroffene und Angehörige
Der Mobile Hospizdienst begleitet Menschen zu Hause, im Krankenhaus oder im Pflegeheim – unabhängig von Alter, Nationalität, Religionszugehörigkeit und Überzeugung. Auch Angehörige und andere nahestehende Menschen finden Unterstützung. Nach einem Todesfall stehen unter anderem Einzelbegleitung, Trauergruppen, TrauerCafés und das Trauertelefon zur Verfügung.

Für Betroffene ist die mobile Hospizbegleitung kostenlos. Ermöglicht wird sie durch ehrenamtliches Engagement, die Förderung des Landes Niederösterreich und Spenden. Das Jubiläum macht sichtbar, was diesen Dienst seit drei Jahrzehnten auszeichnet: Menschen müssen schwere Krankheit, Abschied und Trauer nicht allein bewältigen.

Information und Kontakt zum Mobilen Hospizdienst
hospiz(at)caritas-stpoelten.at
Telefon: 0676 83 844 635
www.caritas-stpoelten.at/hospiz