Caritas St. Pölten Menschenkette vor NÖ Landhaus

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10 Jahre Betreuung für Kinder psychisch kranker Eltern

07.10.20 / 09:08

Die Caritas bietet im Rahmen des Projektes KIPKE (Kinder psychisch kranker Eltern) seit 10 Jahren auch ein Sommercamp für Kinder von 8-15 Jahren an. Mit Unterstützung von spezialisierten TrainerInnen (Outdoor- und GestaltpädagogInnen) werden abwechslungsreiche Tage gestaltet. 10 Jahre KIPKE war heuer Ende August auch Anlass, um im Rahmen des Sommercamps mit Pizza, Lebkuchenherzen, Zauberer und Fotobox zu feiern.

 

Anlässlich des Welttages der psychischen Gesundheit am 10. Oktober will die Caritas der Diözese St. Pölten auf die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern aufmerksam machen. Seit mittlerweile 10 Jahren unterstützt das Projekt KIPKE (Kinder psychisch kranker Eltern) diese Kinder in Form von kurzzeitigen Beratungen, Gruppenangeboten und einem Sommercamp.

 

Wenn Lisa morgens nicht von ihrer Mama geweckt wird, bekommt sie ein mulmiges Gefühl im Bauch. Sie sucht nach ihrer Mama und findet sie müde und traurig im Bett. Auf ihre Frage, warum die Mama so traurig ist, bekommt sie wie immer keine Antwort. Sie geht zurück in ihr Zimmer, zieht sich an und geht allein zur Schule… Heute weiß Lisa, dass ihre Mama an einer Depression erkrankt ist. Trotzdem fällt es ihr sehr schwer zu verstehen, warum gerade ihre Mama nicht mit ihr spielen kann und sie nicht in den Arm nimmt oder mit ihr kuschelt. 

In solchen oder ähnlichen Situationen befinden sich Kinder, deren Elternteil oder Eltern an einer psychischen Erkrankung leiden. Sie sind Kinder wie alle anderen, werden aber im alltäglichen Leben mit Herausforderungen konfrontiert, die sie stark belasten und worunter sie leiden. Sie nehmen das veränderte Verhalten der Mutter oder des Vaters wahr, finden aber keine Erklärungen, sind verunsichert und mit ihren Ängsten oft allein gelassen. Zusätzlich wollen sie ihren Eltern helfen und übernehmen Aufgaben innerhalb der Familie, die sie überfordern und in weiterer Folge selbst erkranken lassen.

 

„Wenn eine Mutter oder ein Vater psychisch krank ist, stellt das die gesamte Familie auf den Kopf. Am meisten leiden darunter die Kinder. Die kindgerechte Erklärung der momentanen Lebenssituation und individuelle Beratung sind deshalb entscheidend", weiß Anna Entenfellner, Leiterin des PsychoSozialen Dienstes der Caritas St. Pölten. Seit mittlerweile 10 Jahren unterstützt das vom NÖGUS finanzierte Projekt KIPKE (Kinder psychisch kranker Eltern) diese Kinder in Form von kurzzeitigen Beratungen und Gruppenangeboten. 

„Über kindgerechte Informationen und Aufklärung zur Erkrankung des Elternteils sollen die Kinder in einem ersten Schritt von Angst- und Schuldgefühlen und von übergroßer Verantwortung entlastet werden", betont Anna Entenfellner. „Darüber hinaus werden Krisenpläne mit den Kindern für den Fall erarbeitet, dass sich die Lebenssituation zu Haus zuspitzt oder der kranke Elternteil in ein Krankenhaus muss."

 

Die MitarbeiterInnen im Projekt versuchen mit allen Familienmitgliedern und Kooperationspartnern die Bedürfnisse der Kinder zu klären, helfen beim Aufbau von sozialen Kontakten, Etablieren von Vertrauenspersonen und weiteren Unterstützungsmöglichkeiten. 

Die Caritas bietet im Rahmen des Projektes KIPKE (Kinder psychisch kranker Eltern) seit 10 Jahren auch ein Sommercamp für 25 Kinder von 8-15 Jahren an. Mit Unterstützung von spezialisierten TrainerInnen (Outdoor- und GestaltpädagogInnen) werden aufregende und abwechslungsreiche Tage gestaltet. Zwischen Frühstück und Bettruhe wird in Kreativworkshops und bei Outdooraktivitäten gewerkt, getrommelt, gewandert und getanzt. Hierbei können die Kinder ihre verborgenen Talente entdecken, eigene Stärken erkennen und positive Energie tanken. Einige Kinder fahren bereits über viele Jahre hinweg mit und genießen die Vertrautheit. 

Die Erfahrungen, die bisher mit dem Projekt KIPKE gemacht wurden, sind durchwegs positiv. Mittlerweile wurden über 748 Kinder in 514 Familien betreut. Betont wird von allen Seiten dabei die Wichtigkeit das Schweigen zu brechen, miteinander zu reden und das Thema als solches mehr in die Öffentlichkeit zu rücken.