Vier Personen sitzen an einem Tisch und unterhalten sich.

Einsamkeit ist nicht sichtbar

09.03.20 / 10:00

Christian Köstler (Leiter PfarrCaritas) Angela Wippl (Seniorenreferat) Beatrix Dangl-Watko (Kath. Bildungswerk) Prof. Dr. Franz Kolland (Referent) und Edith Habsburg (Seniorenpastoral) 

Rund 90 Personen aus über 40 Pfarren nahmen am Studientag zum Thema Einsamkeit in Melk teil. In kurzen Interviews erzählten Menschen aus unterschiedlichsten Perspektiven über ihre Erfahrungen mit dem Thema Einsamkeit. Diakon Karl Bischof berichtete über die Situation in seiner Pfarre und ermunterte „öfter selber aktiv zu werden und auf die Menschen in der Nachbarschaft zu zugehen“. Herr Oberleitner, ein langjähriger und erfahrener Mitarbeiter im Besuchsdienst betonte die „Wichtigkeit einer wirklich persönlichen Begegnung im Besuchsdienst. Es braucht die Liebe zu den Menschen“, sagte er. Gisela Prand, eine Freiwillige bei Essen auf Rädern im Waldviertel, erzählte „von vielen Menschen die gerne länger beim Bringen des Essens tratschen würden, weil sonst niemand zu Ihnen komme“.

Andrea Reiter, regionale Pflegedienstleiterin der Caritas, erzählte, dass es selbst in Mehrfamilienhaushalten zu Einsamkeit kommen könne. Abschließend berichtete die Leiterin der Telefonseelsorge Susanne Rasinger, dass rund ein Drittel der AnruferInnen von Einsamkeit betroffen sind.

Franz Kolland, Universitätsprofessor am Institut für Soziologie an der Uni Wien, gab in seinem Vortrag neben wissenschaftlichen Grundlagen auch viele konkrete Tipps und Anregungen, sowohl für den persönlichen Umgang mit dem Thema, als auch Ideen für Pfarrgemeinden. Er sprach von „der Notwendigkeit von niederschwelligen Begegnungsmöglichkeiten, Begegnung der Generationen, Förderung der nachbarschaftlichen Beziehungen und Besuchsdiensten. Privat gilt es Freundschaften im Alter nicht zu vernachlässigen, sowie um sinnstiftendes, freiwilliges Engagement.“

Ausgrenzung und damit in der Folge auch Einsamkeit kann aber auch junge Menschen z.B. durch Mobbing treffen. Prof. Kolland betonte auch, dass Armut die in Folge zu sozialem Rückzug und mangelnder soziale Teilhabe führt, ebenfalls Einsamkeit verursachen kann.

Das Interesse an diesem Studientag war sehr groß und es bleibt die Hoffnung, dass künftig  einsame Menschen ein Gegenüber, Wertschätzung und Anerkennung finden können.